Leitfaden zur Kabelauswahl für rauscharme Messungen mit FEMTO-Verstärkern
Dieser Leitfaden hilft bei der Auswahl der richtigen Kabel für bestimmte Messaufgaben. Die Kabelauswahl hängt sowohl von den Parametern der Messung, Messgröße und Bandbreite, als auch vom verwendeten Verstärkertyp und externen Rahmenbedingunen wie zum Beispiel elektromagnetischen Störungen ab.
Einleitung
In der Präzisionsmesstechnik zählt nicht nur der Verstärker. Auch das Kabel von der Signalquelle zum Verstärker beeinflusst das Messergebnis entscheidend. Insbesondere bei extrem rauscharmen Stromverstärkern (Transimpedanzverstärker – TIAs) können ungeeignete Kabel das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) massiv verschlechtern.
Die physikalischen Herausforderungen
Die Kabelkapazität und das Rauschverhalten
Jedes Kabel besitzt eine Kapazität CKabel, die parallel zum Eingang des Verstärkers liegt. Die Eingangsrauschspannung eines Stromverstärkers führt über Kapazitäten der Signalquelle und des Kabels zu Rauschströmen. Je größer die Kapazitäten, desto größer die Rauschströme. Zudem sinkt die effektive Bandbreite des Systems, da die Kabelkapazität und der Eingangswiderstand des Verstärkers einen Tiefpass bilden. Je niedriger die Kapazität des Kabels, desto geringer das Rauschen. Typische 50-Ω-Koaxialkabel haben einen Kapazitätsbelag (Kapazität pro Längeneinheit) von 100 pF/m.
Abbildung 1: Ersatzschaltbild eines TIA-Messaufbaus mit Stromquelle (ideale Stromquelle I, Innenwiderstand Ri und Innenkapazität Ci), Kabel (Kabelkapazität CKabel) und Transimpedanzverstärker (Operationsverstärker (OPV), Eingangswiderstand REingang und Rückkoppelwiderstand Rf)
Triboelektrische Effekte (Mikrophonie)
Wenn ein Standard-Koaxialkabel bewegt, gebogen oder Vibrationen ausgesetzt wird, entsteht Reibung zwischen dem Dielektrikum und der Abschirmung. Dies erzeugt Ladungstrennungen, die als Strompulse (pA bis nA) messbar sind. In Anwendungen mit hohen Verstärkungen (105 V/A oder größer) führen kleinste mechanische Störungen zu massivem Signalrauschen.
Schirmung und EMI-Immunität
Elektromagnetische Einstrahlungen (50-Hz-Brummen, HF-Signale) koppeln kapazitiv oder induktiv in das Kabel zwischen Quelle und Verstärker ein. Ströme im Schirmgeflecht, z.B. aus EMI, Erdschleifen oder durch Ableitströme, koppeln induktiv mit dem Innenleiter des Kabels und führen so zu Störungen des Nutzsignals. Ein hoher Bedeckungsgrad des Schirmgeflechts ist essentiell, um das empfindliche Nutzsignal vor der „verschmutzten“ Laborumgebung zu schützen. Ein durchdachtes Erdungskonzept ist Voraussetzung für die störungsfreie Erfassung kleinster Ströme.
Anwendungsfälle
Die Anforderungen an die Kabel unterscheiden sich fundamental je nach Frequenzbereich und Signalstärke:
| Kabeltyp | Low-Noise-Kabel | Low-Capacitance-Kabel | Hochfrequenz-Kabel | Frequenzbereich | Niederfrequenz (DC bis 1 MHz) | Breitband / schnelle Pulse (bis ~20 MHz) | Hochfrequenz (1 MHz bis 3 GHz) |
|---|---|---|---|
| Typische Signalstärke | sehr klein | klein bis mittel | moderat bis hoch |
| Herausforderung | mechanische Einflüsse (Vibrationen) | kapazitive Last | EMI / Reflexionen |
| Primärfokus | Minimierung des triboelektrischen Rauschens | Minimierung der Kabelkapazität und des durch sie bedingten Rauschens | Verbesserung der Abschirmung und Impedanzanpassung (50 Ω) |
Generell sollte das Verbindungskabel von der Quelle zum Verstärker so kurz wie möglich sein. Wenn sich größere Kabellängen nicht vermeiden lassen, sind in mechanisch ungestörten Umgebungen die Low-Capacitance-Kabel auch für geringe Bandbreiten und hohe Verstärkungen empfehlenswert.
Die spezialisierten Kabellösungen von FEMTO
FEMTOs Low-Noise-Kabel: Maximale Stabilität gegen Vibrationen
Diese Kabel sind die erste Wahl, wenn kleinste Ströme gemessen werden.
- Eine zusätzliche Schicht aus leitfähigem Material (Graphit) zwischen Dielektrikum und Schirm sorgt dafür, dass durch Reibung, Verformung und/oder Vibration entstehende Ladungen sofort abgeleitet werden.
- Ermöglicht die Signalerfassung in Anwesenheit von mechanischen oder akustischen Störungen wie z.B. Vibrationen durch Pumpen oder Motoren.
FEMTOs Low-Capacitance-Kabel: Minimierung des Breitbandrauschens
Wenn die Bandbreite des Verstärkers voll ausgenutzt werden soll, ohne dass das Rauschen bei hohen Frequenzen das Signal dominiert, ist die Kapazität entscheidend. Transimpedanzverstärker zeigen ein Spannungsrauschen am Signaleingang, welches über die Impedanz der Quelle und des Kabels zu Rauschströmen führt. Bei höheren Frequenzen dominiert hier die Impedanz-Erniedrigung durch die Kapazität von Quelle und Kabel. Deshalb sollte das Kabel zwischen Quelle und Verstärker so kurz wie möglich sein. Oft ist aber ein längeres Kabel nicht vermeidbar.
- Durch den Einsatz spezieller Dielektrika (z. B. Zell-PE) wird die Kapazität pro Meter drastisch gesenkt. Dies dämpft den Anstieg des Eingangsrauschens und erweitert den nutzbaren Frequenzbereich.
- Ermöglicht das Auslesen schneller Fotodioden und Breitband-TIAs (z.B. HCA-Serie) mit langen Signalleitungen in mechanisch ungestörter Umgebung.
FEMTO HF-Kabel: Überlegene Schirmung in EMI-kritischen Umgebungen
In modernen Laborumgebungen sind hochfrequente Störungen allgegenwärtig. Ein einfaches Schirmgeflecht wirkt hier oft wie eine Antenne.
- Die doppelte Schirmung garantiert eine extrem hohe Schirmdämpfung bis in den GHz-Bereich. Erdschleifen und Ableitströme im äußeren Schirmgeflecht haben nur sehr geringen Einfluss auf das Messignal.
- Ermöglicht Messungen und RF-Signalanalyse in Umgebungen mit hoher Funkbelastung.
Entscheidungsmatrix: Welches Kabel für welchen Verstärker?
Um die Auswahl für ein Kabel zur Anbindung der Quelle zu erleichtern, nutzen Sie bitte die folgende Matrix basierend auf Ihrem FEMTO Verstärker- oder Fotoempfängermodell:
| Verstärkerserie | Typische Anwendung | Empfohlenes FEMTO-Kabel |
Warum? |
|---|---|---|---|
| LCA DLPCA-200 DDPCA-300 |
Strommessung, hohe Verstärkungen (>105) bei Bandbreiten <1 MHz | Low-Noise | Eliminiert Vibrationsartefakte bei hohen Verstärkungen |
| Low-Capacitance | Bei Leitungslängen ≥1 m in mechanisch ungestörter Umgebung, um das kapazitiv bedingte Rauschen zu minimieren | ||
| HCA DHPCA-100 |
Strommessung, Bandbreiten von 1 MHz bis 100 MHz | Low-Capacitance | Hält den kapazitiv bedingten Noise-Floor bei hohen Frequenzen flach |
| HF-Kabel | Für 50 Ω Impedanzanpassung und/oder in EM-belasteter Umgebung | ||
| DLPVA HVA DHPVA HSA DUPVA |
Spannungsmessung, Bandbreiten von DC bis GHz | HF-Kabel | Kapazität der Quelle spielt untergeordnete Rolle, Fokus auf maximale EM-Schirmung und 50 Ω Impedanzanpassung |
| Lock-In-Verstärker | Lock-In Detektion | Low-Noise | Bei mechanisch gestörter Umgebung (Vibrationen) |
| HF-Kabel | Bei EM-belasteter Umgebung |
Für den Anschluss unserer Verstärker und Fotoempfänger an den Signalempfänger (z.B. Oszilloskop oder ADC-Karte) empfehlen wir ausnahmslos unser HF-Kabel, um Einkopplungen zu minimieren.
Fazit
Die Performance von rauscharmen Verstärkern kann nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn die Kabel nicht zum limitierenden Faktor werden. Während Standard-Koaxialkabel für allgemeine Messaufgaben genügen, erfordern High-End-Anwendungen eine gezielte Auswahl basierend auf Kapazität, mechanischer Entkopplung und Schirmungseffizienz. FEMTO bietet hierfür die exakt abgestimmten Komponenten, um Rauschen, Mikrophonie und Einstrahlung systematisch zu minimieren.
Eine Auswahl der Kabel, die FEMTO anbietet, finden sie unter www.femto.de/kabel.